Eröffnung einer privaten Hundepension - alles ganz einfach? Der Hürdenlauf mit den Ämtern. Oder: Die Suche nach Passierschein A38

Von der Gewerbeanmeldung bis zur Genehmigung

Ein Klacks?

Nein, alles andere als das!

Wer hier in NRW eine Hundepension eröffnen möchte, der braucht Geduld und eine ordentliche Portion Hartnäckigkeit, um sich in dem bürokratischen Ämterwust zurecht zu finden.


Das Gewerbeamt

Der erste Schritt für die Eröffnung eines neuen Gewerbes führt dich zum Gewerbeamt. Dort bekommst du auch die notwendigen Unterlagen für die Anmeldung beim Finanzamt.

In meinem Fall bekam ich darüberhinaus die Auskunft, dass ich nichts weiter unternehmen müsse, weil mein geplantes Gewerbe so "geringfügig" sei.

Das reicht allerdings nicht!

Nutzt das Internet, um euch weiter über euer geplantes Gewerbe zu informieren.

 

Das Veterinäramt

Dies ist die entscheidende Instanz für eine Hundepension!

Hier wurden mir folgende Auflagen zur Genehmigung meiner Pension genannt:

  • einen anerkannten Sachkundenachweis nach §11 Tierschutzgesetz
  • oder einen Nachweis über eine langjährige Tätigkeit im Tierwesen
  • polizeiliches Führungszeugnis (ein erweitertes!)
  • Grundskizzen des Hauses und des Außengeländes, wo die Hunde gehalten werden sollen
  • eine Genehmigung vom Bauamt, wegen der baurechtlichen Nutzungsänderung

 

Das Bauamt

Für die Eröffnung einer Hundepension in den eigenen vier Wänden benötigt ihr die Genehmigung des Bauamtes zur Nutzungsänderung eures Wohnhauses in - zum Teil - gewerbliche Nutzung.

Da ist es entscheidend, in welcher Art Wohngebiet ihr wohnt.

Bei meinem Wohngebiet (allgemeines Gebiet), wird eine Genehmigung nur in Ausnahmefällen erteilt, und ich brauchte dafür folgende Unterlagen:

  • Betriebsbeschreibung für gewerbliche Anlagen
  • Bauantrag
  • Grundriss-Zeichnungen
  • Auszug aus dem Liegenschaftskataster

 

Mein Erfahrungsbericht

Ich komme grundsätzlich aus dem Dienstleistungsgewerbe. Wenn bei mir jemand eine Baufinanzierung anfragte, bekam er innerhalb von 48 Stunden entweder eine Zu- oder Absage. Begibt man sich in die Fänge der deutschen Behörden, muss man sich auf eine andere Zeitmessung einstellen.

Hier dauerte es z.B. 14 Tage, bis ich eine Eingangsbestätigung für meinen allerersten Antrag erhielt. 14 Tage dafür, dass die Post auf dem richtigen Schreibtisch ankam! Das ist eine Geduldsprobe!

 

Da die Auskunft beim Gewerbeamt nicht vollständig war, informierte ich mich zuerst im Internet und danach telefonisch beim zuständigen Veterinäramt über die Auflagen für die Eröffnung meiner Hundepension und war über deren Umfang (s.o.) sehr erschrocken.

Wie mir die Dame beim Veterinäramt empfahl, begann ich mit der Antragstellung beim Bauamt. Denn hätte ich deren Genehmigung für die Nutzungsänderung meines Wohnhauses nicht bekommen, hätte ich meinen Traum von der Hundepension sofort an den berühmten Nagel hängen können.

 

 

 

 

 

Ohne mein nebenstehendes Lebensmotto hätte ich diesen Ämtermarathon nicht überstanden!

Die Genehmigung zu erhalten stellte sich als ziemlich schwierig heraus, weil ich in einem allgemeinen Wohngebiet wohne, in dem die Eröffnung eines nicht störenden Gewerbes nur in Ausnahmefällen zulässig ist. Und eine Hundepension ist in den Augen des Amtes kein nicht störendes Gewerbe - also störend! Hier benötigte es einige Beharrlichkeit meinerseits und stichhaltige Argumente bezüglich des Umfanges meines Gewerbes und meiner sehr ländlichen Lage, um die Genehmigung schlussendlich zu erhalten. Aber leicht ist anders! Seid nicht geschockt ... der Antrag in Form einer Baugenehmigung ist so umfangreich, damit könntet ihr auch ein Chemiewerk beantragen. (Über die Frage nach den geschlechtlich getrennten Toiletten und Duschräumen bin ich großzügig hinweggegangen.)

 

Da ich keine berufliche Tätigkeit im Tierwesen ausübe (Tierärztin oder Tierarzthelferin) musste ich meine Qualifikation auf einem anerkannten Seminar mit Abschlussprüfung unter Beweis stellen. Auch hier bemühte ich wieder das Internet, um mich kurzentschlossen für die Kölner Hundeakademie zu entscheiden.  

Hier besuchte ich an zwei Wochenenden ein sehr interessantes Seminar mit folgenden Themen: 

  • erste Hilfe beim Hund
  • Fütterung
  • Rechtliches
  • Rassekunde
  • Fortpflanzung
  • Züchten
  • gewerbliche Hundehaltung
  • Gruppenmanagement
  • Hundeverhalten
  • Auslandstierschutz

Am letzten Tag legte ich einen schriftlichen Test ab und erhielt dann wenige Tage später meine Urkunde. Das Seminar ist zwar nicht ganz preisgünstig, lohnte sich für mich auf jeden Fall, weil ich sehr viel Wissen rund um den Hund vermittelt bekam!

 

 

 

 

Mit dieser Urkunde sowie der Genehmigung des Bauamtes konnte ich nun meinen Antrag beim Veterinäramt vervollständigen. Den Ursprungsantrag hatte ich schon vorher gestellt, weil auch dort die Bearbeitung etwas dauert. Die Genehmigung hielt ich dann bereits eine Woche später in den Händen. Das war die zügigste Bearbeitung in dem gesamten Vorgang. Zwischendurch bekam ich Besuch einer Tierärztin, die meine Räumlichkeiten begutachtete, um sicherzustellen, dass ich keine Zwingerhaltung plante. 

 

 

Alles in allem dauerte es sechs Monates, bis ich die Genehmigung endlich in Händen halten konnte.

Es kostete mich einige Nerven und ungezählte Tafeln Schokolade, die ich beim Gassi gehen mit den Hunden wieder abtrainieren konnte.

Da ich jedoch von Beginn an unerschütterlich in meiner Überzeugung war, dieses Gewerbe nicht unter der Hand laufen zu lassen, gab ich niemals auf, sondern kämpfte mich durch die Mühlen der Ämter.

Und jetzt die Quizfrage: Was hat das alles mit dem Passierschein A38 zu tun?

Ich freue mich auf eure Antworten!

 

Wenn man etwas aus vollstem Herzen möchte, dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen!!

 

Falls jemand Fragen zu diesem Thema hat oder Tipps braucht, dürft ihr gerne auf mich zukommen.

Ich freue mich auch, wenn ihr mir einen Kommentar/Kritik hinterlasst!

 

Es grüßt euch

Ilka