17. Woche mit den Pensionsgästen: Scoopy, Lotta, Rumpel, Sydney, Duncan und Besuch von Hugo

Den kleinen Dauergast Scoopy holte ich am frühen Montag Morgen direkt bei seinem Zuhause ab. Somit gab es keinen Abschiedsschmerz, sondern es herrschte nur pure Freude darüber, dass sein Hundefreund Kimba klingelte. Scoopys Reisegepäck - ein flauschiges Hundekörbchen und einigen Futterrationen - waren bereits am Sonntag Abend eingezogen, da der fuchsfarbene Cavalier King Charles Spaniel fast zwei Wochen bei mir verbringen wird.

Kurze Zeit später traf die zweieinhalbjährige Galgo-Mischlings-Hündin Lotta zum ersten Urlaub in meiner Pension ein. Unser Kennenlerntreffen war schon viele Monate her, sodass ich nicht viele Erinnerungen an das Verhalten der jungen Spanierin aus dem Tierschutz hatte. Ich wusste nur noch, dass sie sehr zurückhaltend ist, sich sozial verhält, aufgrund ihres Jagdtriebes jedoch an der Leine bleiben muss. Zum Glück vertraute Lotta mir von Beginn an, den Rest meiner Familie beäugte sie noch mehrere Tage sehr misstrauisch und achtete auf einen Abstand von mindestens drei Metern. Zu Scoopy und Kimba zeigte sich die Spanierin sofort aufgeschlossen und wollte spielen. Nach der Spieleinheit verhielt sie sich ruhig, lag auf ihrer Decke und nahm erst einmal all die neuen Eindrücke, Geräusche und Gerüche auf.

Bis es unverhofft an meiner Haustür klingelte … 

 

Wir sprangen alle wie von der Tarantel gestochen auf. Durch den Glaseinsatz meiner Tür konnte ich eine aufgeregt zitternde schwarze Nase erkennen, an der ein mächtig großer grauer Hund hing. Hugo! Ich hatte meine Verabredung mit Hugos Frauchen vergessen. Wie konnte das nur passieren? Gedanklich schlug ich mir vor die Stirn. Ich hatte den Termin nicht im Kalender eingetragen, weil ich sicher war, ihn nicht zu vergessen. Falsch gedacht! Wir kamen zwar gerade erst vom Spaziergang zurück, aber dann mussten wir halt noch einmal los. Mitgehangen - mitgefangen! 

Nachdem ich meine drei neugierigen Mitbewohner ins Wohnzimmer bugsiert hatte, ließ ich den Labmaraner samt Frauchen herein. Hugo schoss an mir vorbei und suchte seine Kumpels. Kaum trafen die Chaoten aufeinander, begann eine fetzige Tobeeinheit mit Lotta und Hugo. Es war Liebe auf den ersten Schnupperer. Auch wenn das Größenverhältnis der beiden nicht optimal passte, glich Lotta dies durch ihre Flinkheit wieder aus.

Zögerlich rückte ich mit der Sprache heraus, dass ich den Termin vergessen hatte und bereits spazieren gegangen war. Zum Glück nahm mir Hugos Frauchen meinen Fauxpaus nicht übel. Da die Hunde so begeistert aber ruhig miteinander spielten, beschlossen wir, den Spaziergang sausen zu lassen und den Schlappohren beim Raufen zuzusehen.

Mittwoch und Donnerstag besuchte uns der kleine Dauergastzwerg Rumpel. Er verstand sich auf Anhieb mit Lotta. Die beiden fegten wie Tornados durchs Wohnzimmer, sodass die Hundekörbchen durcheinandergewirbelt wurden. Selten habe ich den grauen Terrier so ausgiebig mit einem anderen Hunden toben sehen.

Lotta läuft eigentlich keine Treppen (wie oft ich diesen Satz schon gehört habe). Da ich am Computer auf dem Speicher an unserer Steuererklärung arbeitete, verbrachte ich einige Zeit im Dachgeschoss. Da Rumpel und Kimba mir dabei Gesellschaft leisteten, dauerte es nicht lange, bis auch Lotta nach oben gestapft kam, um zu prüfen, was wir dort Spannendes anstellten. Nachdem sie zum ersten Mal oben angekommen war, flitzte sie sofort wieder runter wie zum Test, ob ihr auch der Abstieg gelänge. Beides klappte hervorragend, sodass Treppen für Lotta kein Problem mehr bedeuteten. 

Eine kleine Zwischennotiz an alle Hundebesitzer, die fürchten, ich brächte ihren Hunden Dinge bei, die sie eigentlich nicht machen sollen (nicht jeder möchte verständlicherweise Dreck und Hundehaare auch in anderen Etagen als im Erdgeschoss vorfinden). Die Laktritznasen können sehr gut unterscheiden, wo sie was dürfen. Kimba weiß zum Beispiel, dass er bei uns auf die Couch darf, bei meiner Mutter auf keinen Fall.

 

Die Spaziergänge mit Lotta entwickelten sich zu Trainingseinheiten. Scoopy und Kimba konnte ich problemlos von der Leine lassen, bei Lotta gab es jedoch die Besonderheit, dass sie zur Auslebung ihres Bewegungsdrangs zu Hause oft am Fahrrad laufen kann … falsch, sie kann am Fahrrad ziehen. Sie trägt ein Geschirr und hängt sich mit voller Kraft rein. Leider haben ihre Besitzer versäumt ihr beizubringen, dass Ziehen am Fahrrad zwar okay ist, aber nicht, wenn der Zweibeiner per Pedes unterwegs ist. Lotta hing in der Leine wie ein Hundertmeterläufer an der Startlinie. Gespannt wie ein Flitzebogen. Das ist schädlich für meinen Nacken- und Schulterbereich, sodass ich sogleich mit einem Leinentraining begann. Meine neu erworbene Joggingleine und Langlaufleine konnte ich sofort wieder wegpacken, damit zog sie permanent und ich zog zurück. Keine Lösung. Da ich mich ausschließlich auf Lotta konzentrieren konnte, erzielte ich die besten Ergebnisse mit einer sehr kurzen Leinenführung. Sobald sie an mir vorbeiziehen wollte, verstellte ich ihr den Weg mit einem Bein oder drehte mich zu ihr hin. Darauf reagierte sie ganz gut. Dieselbe Prozedur hatte ich damals mit Mio probiert, aber er war dafür zu schnell und zu groß. Lotta ist deutlich zierlicher. Es brauchte jedoch 100%ige Konsequenz. Ließ ich nur kurz nach und genoss die Natur oder widmete mich Kimba oder Scoopy, ging das Gezerre wieder los. Ich wundere mich immer wieder darüber, wie die Besitzer diesen Zustand auf Dauer aushielten.

Donnerstag musste ich die Gasthunde leider für eine Zeit allein lassen. Kimba hatte seit mehreren Monaten am linken Hinterbein eine bohnengroße Beule, die sich über Nacht auf die Größe eines kleinen Hühnerei entwickelte. Also suchte ich sofort meine Tierärztin Dr. Petra Mertens in Geldern auf, die versuchte, Flüssigkeit aus dem Geschwulst zu entfernen. Da das nicht gelang, entnahm sie Zellen, die zur Untersuchung eingeschickt wurden. Auf die Ergebnisse muss ich bis zur nächsten Woche warten, aber sie riet mir, für den 7.5. bereits einen Operations-Termin zu vereinbaren. Das Geschwür muss auf jeden Fall entfernt werden. Ich fange jetzt schon einmal an zu leiden.

Da Kimba jedoch keine Einschränkungen oder Schmerzen zu haben schien, legte sich meine Besorgnis wieder. Ich konnte es sowieso nicht ändern. Abgelenkt wurden wir durch die zweijährige Sydney, die meiner Pension einen Tagesbesuch abstattete. Schnell fügte sie sich in mein kleines Rudel ein, tobte begeistert mit Lotta und verhielt sich auch auf den Spaziergängen sehr angenehm.

Kaum hatte sie mein Haus verlassen, traf Duncan für eine Nacht ein und Lotta erhielt den nächsten Spielgefährten. Über zu wenig Abwechslung konnte sich die Hündin auf jeden Fall nicht beklagen. Das angekündigte schwere Unwetter zog zum Glück erst Sonntag Nacht über uns hinweg, als Duncan schon wieder abholt worden war. Der schwarze Labrador verhält sich sehr ängstlich bei Gewitter.

Auch Lotta lief aufgeregt herum, als sie aber merkte, dass wir alle entspannt waren und ich ihr ein zusätzliches Schlafkissen neben meinem Bett platziert hatte, rollte sie sich darauf zusammen und verhielt sich ruhig. Es blitzte, donnerte und hagelte recht ordentlich. Den Schaden schauen wir uns morgen an. Bis dahin ziehen wir die Decken über die Ohren. Gute Nacht!