39. Woche mit den Gästen: Kessi, Aika, Atara und einem kleinen Zickenkrieg

Eine Woche voller Langzeitgäste, sodass leider für die Tagesgäste kein freier Platz blieb. Die Hovawart Dame Atara besuchte meine Pension zum ersten Mal. Die schöne Hündin blieb in den ersten drei Tagen meiner Familie gegenüber recht zurückhaltend. Auch zu Kimba und der kessen Kessi hielt sie einen größeren Abstand. Sie ging gern mit zu den Spaziergängen, schien aber immer darauf zu warten, dass ihre Besitzer wieder auftauchten. Mit der Zeit taute sie auf und ab dem dritten Tag war sie endgültig angekommen, tobte mit mir und den anderen Hundefreunden durch die Felder. Ich konnte sie nun getrost von der Leine lassen. Atara reagierte wunderbar auf meinen Rückruf und verhielt sich auch allen anderen Hunden gegenüber sehr sozial. Wer ihr nicht gefiel, den hielt sie mit kurzem Brummen auf Abstand. An einem Tag überschnitten sich Kessi und Aika, und wir zogen zu viert los. Auch das verlief sehr harmonisch. Wenn ich Stöcke warf, gewann Atara jedes Rennen und verteidigte auch ihre Beute. Mir gab sie diese jedoch auf Kommando zurück. Sollte Kessi einmal, trotz ihrer kurzen Beinchen, zuerst am Objekt der allgemeinen Begierde sein, verteidigte sie diese frech selbst gegenüber der imposanten Atara. Aika war für kurze Zeit von dem Trubel in meiner Pension überrascht, gewöhnte sich jedoch schnell ein und hatte viel Spaß an Rennspielen mit der schnellen Hovawart Hündin.

 

An ihrem letzten Tag geriet Atara in einen kurzen Streit mit einer Hündin aus der Nachbarschaft. Direkt vor meiner Haustür trafen wir auf Lilli, und die beiden Hündinnen konnten sich auf Anhieb nicht leiden. Wir hielten einen Abstand zueinander und gingen ins Feld. Dort lief Lilli ohne Leine voraus, und ich leinte Aika und Kimba ab. Die drei Hunde begrüßten sich schnell und unkompliziert. Als Lilli zu Atara lief, leinte ich auch diese ab, doch es kam sofort zu einem lautstarken Gerangel zwischen den beiden Hunden. Sehr schnell lag Lilli seitlich am Boden und Atara quer über ihr. Es kehrte Stille ein. Die Situation wäre geklärt gewesen, wenn die Unterlegene - in dem Fall Lilli - sich entspannt und nachgegeben hätte. Da jedoch Lilli läufig war und die Siedlung quasi ihr gehört, kam ein Aufgeben für die Mischlingshündin nicht in Frage. Sie wollte sich aus der misslichen Position herauswinden, aber das duldete Atara nicht. Der Streit ging in die zweite Runde und hörte sich nun auch schmerzhafter an. Auch wenn ich theoretisch weiß, dass man nicht dazwischen greifen und laut schreien soll, habe ich dies instinktiv gemacht und versucht, meinen Körper zwischen die beiden Kampfhennen zu bringen. Als Atara einen Augenblick von Lilli abließ, rief ich sie mahnend an, sie fuhr zu mir herum und sah aus, als ob sie auch auf mich losgehen wollte. Doch in dem Augenblick, wo sie mich wahrnahm, erlosch ihr Kampfgeist, und ich konnte sie entfernen und anleinen. Sie hatte Blut an der Schnauze und Lilli humpelte. Wir gewannen zunächst einen Abstand zueinander und untersuchten die Hunde. Es schien bei kleinen Schrammen geblieben zu sein. Lilli ging nach ein paar Schritten wieder rund. Atara hatte eine Macke am Kopf und einen Ratscher an der Nase. 

Den restlichen Tag über blieb die Hündin mir gegenüber sehr anhänglich. Ihr schien der Schreck in den Gliedern zu stecken, vielleicht schmerzten auch die kleinen Wunden, die ich entsprechend versorgte. Kimba und Aika wollte sie jedoch nicht mehr um sich haben und brummte sie weg. Auch bei der Hovawart Hündin steht die Läufigkeit an. Vielleicht wirbelten deshalb so viele weibliche und streitwillige Hormone durch die Luft?

Ich hoffe, dieser letzte Zusammenstoß verdarb Atara nicht ihren schönen Aufenthalt bei mir. Sie freute sich sehr, als ihr Besitzer sie am Sonntag abholten, und wird die Ruhe zu Hause sicherlich genießen.